Gespräch mit Pierre Rangosch zum Thema Persönliches Budget

Vier Geldbeträge, einmal für Kleidung, Nahrung, Freizeit und zur freien Wahl.

Wir haben mit Pierre Rangosch gesprochen.

Er nutzt seit einigen Jahren das Persönliche Budget.

Budget ist ein französisches Wort.

Man spricht es so aus: büd schee.

Ein Budget hat immer etwas mit Geld zu tun.

Die Abkürzung für Persönliches Budget ist PB.

Pierre Rangosch sagt:

„Ich kann selbst entscheiden wie ich was möchte.

Und wo ich was möchte.

Und wann ich was möchte.“

 

Persönliches Budget

Beim Persönlichen Budget bekommen Menschen mit Behinderungen Geld.

Mit dem Geld bezahlen sie die Hilfe und Unterstützung,

die sie brauchen.

So können sie selbst bestimmen:

Welche Hilfe brauche ich?

Und von wem bekomme ich die Hilfe?

Sie werden selbst zum Arbeitgeber.

 

Durch das Persönliche Budget können Menschen mit Behinderung

selbstbestimmt leben.

Zum Beispiel in einer eigenen Wohnung.

Das PB ist ein Teil von der Eingliederungs-Hilfe.

Ein Buch mit einem Paragraphenzeichen

Jeder Mensch mit Behinderung kann Eingliederungs-Hilfe beantragen.

 

Seit dem Jahr 2008 hat jeder Mensch mit Behinderung

einen Anspruch auf das PB.

Das steht im Sozial-Gesetzbuch 9.

Wir haben mal nachgefragt:

Eine fragende Person

Wie lebt es sich mit dem Persönlichen Budget?

Wie kann man das PB bekommen?

Was sind die Vorteile vom PB?

Was ist bei dem Antrag schwierig?

Pierre Rangosch ist 34 Jahre alt.

Er nutzt das PB seit mehr als 4 Jahren.

Er hat uns von seinen Erfahrungen erzählt.

 

Frage: Woher kennen Sie das Persönliche Budget?

 

Pierre Rangosch:

Ein Bekannter hat das Persönliche Budget schon länger genutzt.

Er hat mir davon erzählt.

Dann habe ich mich mit dem Thema beschäftigt.

Zum Beispiel habe ich mich beraten lassen.

Zwei Personen an einem Tisch. Eine davon spricht.

Die Beratung war in der ergänzenden unabhängigen

Teilhabe-Beratungsstelle in meiner Stadt.

Dazu sagt man auch EUTB.

 

Frage: Warum haben Sie sich für das Persönlichen Budget entschieden?

 

Pierre Rangosch:

Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen.

Aber die konnten mich nicht mehr pflegen.

Dafür waren sie jetzt zu alt.

Deshalb musste ich eine andere Lösung finden.

Ich habe mir verschiedene Wohn-Einrichtungen angeschaut.

Die Wohn-Einrichtungen waren für Menschen mit Behinderung.

Aber ich wusste:

Da werde ich nicht glücklich.

Wir Menschen mit Beeinträchtigung können selbst entscheiden:

So will ich leben.

Drei Haustypen. Einfamilienhaus, Mehrparteienhaus, Wohnkomplex.

So wie andere Menschen das auch selbst entscheiden.

Deshalb habe ich entschieden:

Ich will in eine eigene Wohnung ziehen.

Und ich will das Persönliche Budget beantragen.

Denn so kann ich selbst entscheiden:

Von wem bekomme ich wann Unterstützung.

 

Frage: Wie nutzen Sie das Persönliche Budget?

 

Pierre Rangosch:

Es gibt verschiedene Arten vom Persönlichen Budget.

Ich nutze das PB im „Arbeitgeber-Modell“.

Das bedeutet:

Ich bin der Arbeitgeber für meine Assistenzen.

Das Geld kommt vom zuständigen Kosten-Träger.

Das ist bei mir der Landschafts-Verband Westfalen-Lippe.

Im Moment habe ich 5 Assistenzen.

Eine Person reicht einer Anderen im Rollstuhl am Obst und Gemüsestand etwasan.

Sie begleiten mich im Alltag.

Zum Beispiel helfen sie mir bei der Körper-Pflege

und beim Einkaufen.

Und auch bei meinem Hobby.

Ich spiele Elektro-Rollstuhl-Hockey.
 

Ich kann frei entscheiden:

Was will ich heute machen.

Zum Beispiel abends noch ins Theater gehen.

Oder mit dem Bus meine Familie besuchen.

Das kann ich alles spontan machen.

Denn meine Assistenzen richten sich dann nach mir.

In einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung ist das anders.

Dort muss man seinen Tag nach den festen Zeiten und Regeln gestalten.

Denn das Personal muss sich ja dort um viele Bewohner kümmern.

 

Frage: Wie haben Sie das Persönliche Budget beantragt?

 

Pierre Rangosch:

Zuerst habe ich mich beraten lassen.

Die Beratung war beim Verein „Mobile Selbstbestimmtes Leben

Behinderter e. V.“

Dann habe ich einen Antrag bei meinem Kosten-Träger gemacht.

Das ist für mich der Landschafts-Verband Westfalen-Lippe.

Der Kosten-Träger hat meinem Antrag zugestimmt.

Danach habe ich meine Assistenzen gesucht.

 

Frage: Wie haben Sie Ihre Assistenzen gefunden?

 

Pierre Rangosch:

Als erstes habe ich eine Stellen-Anzeige geschrieben.

Diese habe ich in der Zeitung veröffentlicht.

Und ich habe sie in Supermärkten ausgehängt.

Und ich habe auch im Internet gesucht.

Zum Beispiel auf dieser Internet-Seite: www.assistenz.org

Einige Menschen haben sich dann auf die Stelle beworben.

Mit denen habe ich gesprochen.

Einige von diesen Menschen kamen für mich in die engere Auswahl.

Die habe ich dann für einen Tag zum Probe-Arbeiten eingeladen.

So habe ich gemerkt:

Wer passt zu mir?

Und wer passt nicht zu mir?

Eine Person im Rollstuhl zeigt auf Bilder von vier verschiedenen Menschen.

Ich kann selbst frei entscheiden:

Diese Person möchte ich als Assistenz haben.

Und ich bin froh:

Ich habe Menschen gefunden,

denen ich vertrauen kann.

Und wir verstehen uns gut.

 

Frage: Würden Sie anderen Menschen mit Behinderung das Persönliche Budget empfehlen?

 

Pierre Rangosch:

Ja! Ich würde das PB auf alle Fälle empfehlen.

Besonders für Jugendliche und junge Erwachsene.

Mit dem PB können sie ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben haben.

Ich kann selbst entscheiden:

Was möchte ich wann wie machen.

Ob ich dann nachts in die Disko gehe oder eben nicht.

Das ist meine eigene Entscheidung.

Der Antrag für das Persönliche Budget ist vielleicht nicht ganz leicht.

Und es kann etwas länger dauern.

Aber es lohnt sich.

Die Arbeit und die Geduld ist es definitiv wert.

 

Frage: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

 

Pierre Rangosch:

Ich wünsche mir:

Man muss bei Ämtern nicht mehr seine Entscheidungen erklären.

Und die Kosten-Träger sollen besser mit den Krankenkassen zusammen-arbeiten.

Ich wünsche mir auch:

Mehr Menschen kennen das Persönliche Budget.

Mehr Menschen mit Behinderung können durch das PB ein selbstbestimmtes und eigenständiges Leben haben.

 

Vielen Dank an Pierre Rangosch für das Gespräch.

 

Leichte Sprache Symbol. Ein aufgeschlagenes Heft mit einem Check-Häkchen.

Übersetzt und geprüft durch das Braunschweiger Büro für Leichte Sprache
© Lebenshilfe Braunschweig
Bilder © Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V.,

Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013