Selbstbestimmung ist kein abstrakter Begriff, sondern ein aktiver Gestaltungsprozess. Um angehende Fachkräfte der Heilerziehungspflege optimal auf ihre Rolle als Wegbegleiter*innen für ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten, fand Mitte April ein Studientag zum Persönlichen Budget (PB) an der Hildegardisschule Münster statt.
Der Studientag wurde von Martina Steinke und Oliver Schneider vom KSL.Münster gestaltet. In einem Tandem-Format vermittelten sie rechtliche Grundlagen sowie die konkrete Umsetzung des Persönlichen Budgets.
Im Zentrum des Studientages stand das fiktive Fallbeispiel „Vivian und Leon“. Es diente den Studierenden als Grundlage, um Bedarfe festzustellen und Zuständigkeiten zu klären.
Vivien (19 Jahre) ist in diesem Beispiel eine Mutter. Sie hat eine Lernbehinderung sowie eine psychischen Beeinträchtigung. Leon (2,5) ist ihr Kind. Auch Leon hat eine Behinderung. Aktuell leben sie in einer betreuten stationären Wohnform. Sie wollen jedoch bald in eine eigene Wohnung ziehen. Zudem soll Leon dann einen Regelkindergarten besuchen.
„Das realitätsnahe Fallbeispiel sollte den Teilnehmenden verdeutlichen, wie das Persönliche Budget als eine Form der Leistungserbringung in der Eingliederungshilfe genutzt werden kann – mit dem Ziel, Menschen mit Behinderungen eine passgenaue und selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen“, erklärt Martina Steinke, Referentin für juristische Fragen beim KSL.Münster.
Im Mittelpunkt des Studientages standen insbesondere folgende Inhalte:
- Sensibilisierung und Abbau von Barrieren in der persönlichen Einstellung am Beispiel des sozialen Modells von Behinderung.
- Das Persönliche Budget als alternative Form der Leistungserbringung, Auflösung des klassischen Dreiecksverhältnisses (Leistungsberechtigte Person – Leistungsträger – Leistungserbringer) im Sozialrecht.
- Ein Überblick über budgetfähige Leistungen, die eine selbstbestimmten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ermöglichen.
- Typische Verfahrensabläufe von der Bedarfsermittlung bis zum Bescheid beim zuständigen Träger der Eingliederungshilfe.
- Bewusstsein schaffen für die Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe (SGB VIII) und Eingliederungshilfe (SGB IX), um Verantwortungen und Zuständigkeiten zu klären.
- Praktische Anwendung des erlernten Wissens zum Persönlichen Budget anhand des begleitenden Fallbeispiels.
Theorie-Praxis-Verzahnung für eine inklusive Ausbildung
Das KSL.Münster setzt sich mit diesem Format für eine inklusive Ausbildung ein. Indem angehende Fachkräfte bereits frühzeitig in ihrer Ausbildung für die Möglichkeiten des Persönlichen Budgets sensibilisiert werden, tragen sie maßgeblich dazu bei, die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in Nordrhein-Westfalen aktiv mitzugestalten. „Die Studierenden (und ich) sind begeistert vom Studientag zum Persönlichen Budget, weil er einerseits so praxisnah und andererseits so eng verknüpft war mit dem, was sie als theoretische Grundlage im Unterricht erleben. Eine überaus gewinnbringende Theorie-Praxis-Verzahnung“, sagt Frau Karolin Thater, begleitende Lehrkraft an der Hildegardisschule. „Es hat sie spürbar motiviert für zukünftige Praxisphasen und ihren beruflichen Alltag. Besonders die Informationen aus erster Hand, die der Unterricht nicht immer bieten kann. Welche vielfältigen und vor allem individuellen Möglichkeiten das Persönliche Budget bieten kann, um Menschen mit Teilhabeeinschränkungen eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen.“
Eine weitere Kooperation des KSL.Münster mit der Hildegardisschule zum Thema „Digitale Teilhabe“ ist bereits angedacht. Marcel Scharf, ebenfalls Teilnehmender des Studienfachtages und Referent für strukturelle Beratung beim KSL.Münster, bringt die notwendige Expertise für dieses Thema mit.
Bild: Karolin Thater, begleitende Lehrkraft an der Hildegardisschule neben den Referent*innen Martina Steinke, Marcel Scharf und Oliver Schneider vom KSL.Münster.
Kontakte
Oliver Schneider, Referent für strukturelle Beratung, E-Mail: oliver.schneider@ksl-muenster.de
Martina Steinke, Referentin juristische Fragen, E-Mail: martina.steinke@ksl-muenster.de
Marcel Scharf, Referent für strukturelle Beratung, E-Mail: marcel.scharf@ksl-muenster.de