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Theorie und Praxis sinnvoll verbunden

04.03.2026
Drei Personen vor einer Glastür. Darüber das Logo des Caritas-Verbands Warendorf und der Name Edith-Stein-Berufskolleg. Die drei Personen sind Oliver Schneider, Beate Bruns-Schneider und Cornelia Lückener-Korte.

Die Broschürenreihe „KSL-Konkret“ der Kompetenzzentren Selbstbestimmt Leben in NRW (KSL.NRW) vermittelt rechtliche Grundlagen, gibt hilfreiche Tipps zur Selbstbestimmung und fördert die inklusive Gestaltung von Lebenswelten. Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen, Angehörige und Fachkräfte durch kompakte Informationen und praxisorientiert Denkanstöße zu stärken. Aber: Wie werden die Broschüren in der Praxis verwendet? Wir haben nachgefragt. Heute beim Edith-Stein Berufskolleg für Pflegeberufe in Warendorf. Dort unterstützen die Ausgaben „Vielfalt Pflegen“ und „Barrierefreiheit“ den Unterricht.

Oliver Schneider vom KSL.Münster sprach mit der Pflegepädagogin Cornelia Lückener-Korte und Schulleiterin Beate Bruns-Schneider.

 

Oliver Schneider: Bitte beschreiben Sie uns kurz Ihre Einrichtung. In welchen Berufen bilden Sie aus? Was sind Ihre aktuellen Herausforderungen?

Cornelia Lückener-Korte: Gern, das Edith-Stein-Berufskolleg war ursprünglich ein Fachseminar für Altenpflege in Trägerschaft des Caritasverbands. Im Rahmen der generalistischen Pflegeausbildung sind wir dann Pflegeschule geworden. 

Beate Bruns-Schneider: Heute sind wir eine gemeinnützige GmbH. Unsere Gesellschafter sind zum einen mit 51 Prozent immer noch der Caritasverband im Kreis Warendorf und zu 49 Prozent das St. Josef-Stift in Sendenhorst. Wir bieten die Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann sowie die Pflegefachassistenz an. Aktuell sind zirka 170 Schüler*innen an unserem Kolleg.

Cornelia Lückener-Korte: Wir haben einen hohen Anteil an Menschen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind. Das hat Auswirkungen auf die Ausbildung, nicht nur auf die Sprache, sondern auch auf unterschiedliche kulturelle Hintergründe, auf ein unterschiedliches Pflegeverständnis oder Verständnis von Krankheit. Das bringt auch Vielfalt in die Ausbildung ein. 

Oliver Schneider: Wie sind Sie auf die KSL-Konkret aufmerksam geworden? Was hat Sie bewogen, die Broschüren in die Unterrichtspraxis zu übernehmen?

Cornelia Lückener-Korte: Ich verwende in meinem Unterricht schwerpunktmäßig die Ausgaben KSL-Konkret 4 „Vielfalt Pflegen“ und KSL-Konkret 6, in der es um die Barrierefreiheit geht. Mir hat nach dem ersten Durchschauen besonders gefallen, dass hier nicht nur Probleme erkannt und beschrieben, sondern dann auch Lösungen angeboten werden. Zum Beispiel: Wie kann man in der ganz konkreten Pflegesituation Barrierefreiheit schaffen, und das ganz niederschwellig, an ganz konkreten Maßnahmen, auf Augenhöhe sozusagen. 

Oliver Schneider: Und wie binden Sie die Broschüren in den Unterricht ein?

Cornelia Lückener-Korte: Jede Auszubildene und jeder Auszubildener erhalten ein eigenes gedrucktes Exemplar gegen Unterschrift. Es bleibt ihr Eigentum, sodass sie es immer wieder benutzen können. Wir favorisieren deshalb auf jeden Fall die Printform. Die Auszubildenen können in ihrer Ausgabe eigene Notizen und Kommentare schreiben, wichtige Textstellen markieren. Das könnten sie theoretisch in der digitalen Form machen, aber die wenigsten verfügen über ein Tablet. Auf dem Handy ist das nicht komfortabel. Und zudem vermittelt eine gedruckte Ausgabe einfach ein anderes Erlebnis, das ist haptisch. 

Drei Personen sitzen am Tisch und sprechen miteinander. Die Personen sind Oliver Schneider, Cornelia Lückener-Korte und Beate Bruns-Schneider.

 

Oliver Schneider: Können Sie ein Beispiel nennen, wie die Schüler*innen damit umgehen?

Cornelia Lückener-Korte: Nehmen wir mal das Thema Vielfalt pflegen. Die Auszubildenen bekommen die Aufgabe, sich ein Thema herauszunehmen, welches sie besonders anspricht, mit dem sie vielleicht auch schon einmal persönlich in Berührung gekommen sind. Das sollen sie erstmal lesen. Dazu sollen sie sich die angegebenen Links anklicken, die Videos anschauen, die Interviews anhören oder weitere Texte lesen. Das ist sozusagen der erste Schritt, die Grundlage, um ein Verständnis zu entwickeln. 

Dann folgen praktische Aufgaben: Dazu schicken wir die Auszubildenden in der Gruppe an einem Tag während der Theorie in die Innenstadt von Warendorf. Dort sollen sie ausgewählte lebenspraktische Aufgaben erledigen, bei denen Barrieren Menschen mit Behinderungen den Alltag immer wieder erschweren oder das Erledigen der Aufgaben   unmöglich machen. Etwa im Café, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkauf. Zu jeder Aufgabe gibt es einen Fragebogen, in den die Auszubildenen ihre Erfahrungen eintragen, zum Beispiel: Wie habe ich mich bei der Aufgabe, in dieser Situation gefühlt? Konnten Barrieren abgebaut werden? Habe ich Hilfe bekommen? Wie war die Reaktion der Umwelt? Die Ergebnisse werten wir im Unterricht aus und vergleichen die eigenen Erfahrungen mit den Inhalten der KSL-Konkret.

In der Kombination mit der Broschüre Barrierefreiheit und eigenen Erfahrungen wird das für die meisten Auszubildenden dann rund. Die sind selbst beteiligt, quasi mittendrin dabei. Manche kommen auch auf interessante eigene Ideen, erkennen Barrieren und entwickeln Lösungen, um diese konkret abzubauen oder zu reduzieren.

Beate Bruns-Schneider: Am Anfang der Unterrichtseinheit stöhnen viele und haben nicht so richtig Lust, Texte zu lesen. Aber spätestens dann, wenn sie in der Stadt waren und ihre Erfahrungen gemacht haben, sind sie ganz interessiert und am Ende sensibilisiert für den Bereich.

Oliver Schneider: Toll, spannend. Das gibt das Buch in der Form gar nicht vor. Also haben Sie daraus quasi einen eigenen Baustein für den Lehrplan entwickelt. Wie kam es dazu?

Cornelia Lückener-Korte: Ich habe mir überlegt, wie ich die Inhalte der Broschüre sinnvoll nutzen und umsetzen kann. Ja, das ist auch so etwas wie das Grundprinzip an unserem Kolleg: Wir bekommen etwas, und fragen uns dann konkret: Wie können wir das dann für uns sinnvoll nutzbar machen?

Oliver Schneider: Vielen Dank für diese interessante Rückmeldung. Viel Erfolg beim weiteren Einsatz der KSL-Konkret.

Fotos: KSL.Münster/Michael Kalthoff-Mahnke

Weitere Informationen zu unserer Schriftenreihe KSL-Konkret finden Sie hier.