Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung zu ehrenamtlichen Hospizbegleitenden zu qualifizieren, ist das Ziel des Forschungsprojekts „Hospizbegleitung Inklusiv (HospInk)“ des Instituts für Teilhabeforschung der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen am Standort Münster. Kürzlich wurde die siebenmonatige Pilotphase des Kursangebots mit einem feierlichen Abschlussfest beendet.
Zehn Personen mit kognitiver Beeinträchtigung haben an diesem Kurs im Zeitraum von Juni 2025 bis Januar 2026 im Rahmen des durch die LWL-Sozialstiftung geförderten Forschungsprojektes „HospInk“ an diesem Kurs in der Kolping-Bildungsstätte Coesfeld teilgenommen. In 93 Unterrichtseinheiten an zwölf Tagen verteilt auf fünf Blöcke haben sie sich nun für die Tätigkeit als ehrenamtliche Hospizbegleiter*innen qualifiziert. Das KSL.Münster hatte vor dem Start für eine Teilnahme an dem Projekt geworben. „Sterben und Tod sind wichtige Themen, die alle betreffen und in allen Lebensrealitäten und -räumen stattfinden“, hatte Projektleiterin Debora Stockmann seinerzeit gesagt. Umso wichtiger sei es, die Themen zu enttabuisieren und in die Lebensrealität zurückzuholen, um handlungsfähig zu werden (Lesen Sie dazu unseren Beitrag von Februar 2025).
Bei der Übergabe der Abschlusszeugnisse Ende Januar dieses Jahres konnten sich die Anwesenden – Vertreter*innen der LWL-Sozialstiftung, des Forschungsteams, Praxisvertreter*innen, Unterstützungspersonen und Angehörige – davon überzeugen, was die Gruppe in den zurückliegenden Monaten erreicht hat.
Das Gemeinschaftsgefühl war für alle Gäst*innen deutlich zu spüren. „Wir haben uns alle geholfen und stark getragen“, beschrieb ein Teilnehmender eine wichtige Erkenntnis. „Wir haben geweint, weil das Sterben ein schweres Thema ist, aber auch viel gelacht“, ergänzte eine Teilnehmende.
Das Curriculum von HospInk orientiert sich mit seinen Inhalten eng an der Rahmenempfehlung des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes (DHPV) und wurde methodisch an die Zielgruppe angepasst. Eine Ausstellung über die Kursthemen der Teilnehmenden begleitete die Abschlussveranstaltung.
Für die Entwicklung des endgültigen Curriculums ist die Berücksichtigung der Perspektive der Teilnehmenden besonders wichtig. Daher wurden die Teilnehmenden nach jedem Block in Evaluationsgesprächen um ihre Rückmeldung zu Inhalten des Kurses und zu Rahmenbedingungen der Durchführung gebeten. „Wir konnten sagen, was uns gefällt und was nicht, dadurch wurde der Kurs und unsere Gruppe immer besser“, sagte eine Teilnehmende.
Selbstwirksamkeit erleben
Dies trug nicht nur maßgeblich zur Qualität des Curriculums bei, sondern bestärkte die Teilnehmenden im Erleben ihrer Selbstwirksamkeit. Inhaltliche Bausteine, die zu Beginn eine große Herausforderung darstellten, wurden entsprechend angepasst und zum Abschluss von den Teilnehmenden als hilfreich und sinnvoll betrachtet, um sich mit den Fragen in der Begleitung von Menschen am Lebensende auseinanderzusetzen.
Die erfolgreiche Durchführung des Kurses verdeutlicht die Tragfähigkeit der Projektidee und bestätigt damit die Grundidee. „Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung möchten sich auch mit den schwierigen Fragen des Sterbens auseinandersetzen, um andere Menschen in der letzten Lebensphase gut begleiten zu können“, sagte Dr.in Sabine Schäper, Professorin am Institut für Teilhabeforschung der Katholischen Hochschule NRW in Münster. „Die Teilnehmenden wünschen sich weitere Bildungsangebote und möchten sich in der ehrenamtlichen Hospizbewegung engagieren.“
Für die Weiterentwicklung einer partizipativen Hospizkultur bedarf es jedoch nicht nur der Veröffentlichung eines zielgruppenangepassten Curriculums. „Wir brauchen zugleich auch eine inklusive Gestaltung bestehender Angebote und die Förderung von Teilhaberechten von Bildungsstätten, ambulanten Hospizdiensten und Einrichtungen der Eingliederungshilfe“, fügte Jenni Walther, wissenschaftliche Mitarbeitende in dem Projekt, hinzu. Eine inklusive Ausrichtung der Hospizarbeit stellt ein großes Potenzial dar – auch im Sinne der Idee, dass alle Menschen in ihrem sozialen Umfeld als „Caring Community“ wechselseitig unterstützen und bereichern. Fotos: HospInk
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