Seit 2025 ist das KSL.Münster Teil des Netzwerks Gewaltprävention Münster. Erstmals wirkt es nun aktiv an einem Fachtag des Netzwerks mit: am 19.11.26 in Münster. „Konflikte, Krisen und Gewalt in herausfordernden Zeiten – professionell handeln in interdisziplinärer Zusammenarbeit.“ – das Thema des Fachtags. Ein Vortrag sowie zwölf verschiedene Workshops laden dazu ein, neue Perspektiven kennenzulernen und praktische Impulse mitzunehmen.
Einer dieser Workshops trägt den Titel „Gewaltsituationen im Kontext von Behinderungen – inklusiv handeln und Gewalt vorbeugen“. In diesem Workshop stellen Anne Wohlfahrt vom KSL.Detmold (links im Bild) und Maher Seger vom KSL.Münster (rechts im Bild) die Ergebnisse und Materialien des Forschungsprojekts „PInG – Partizipativer Index für Gewaltschutz“ (gesprochen: „Ping“) vor. Mit dabei ist auch Katharina Tielke. Sie hat als Selbstvertreterin und Mitglied des politischen Stammtischs Bethel an dem Projekt mitgearbeitet.
Zum Hintergrund: Einrichtungen der Eingliederungshilfe sind gesetzlich dazu verpflichtet, Gewaltschutzkonzepte zum Schutz vor Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen zu entwickeln und umzusetzen. Anne Wohlfahrt ist Mitarbeiterin beim KSL.Detmold und im Projekt „PInG“ tätig. Sie erklärt:
„Die Gewaltschutzkonzepte sind erstellt. Viele Einrichtungen stehen allerdings vor der Herausforderung der partizipativen Umsetzung. Um täglich wirksam vor Gewalt zu schützen, müssen sich alle Nutzer*innen und Mitarbeiter*innen regelmäßig mit dem Thema beschäftigten, gemeinsam reflektieren, sich vernetzen und Veränderungen vornehmen. Dazu braucht es Informationen, Methoden und Material, dass inklusiv genutzt werden kann.“
Hier setzte das Projekt „PInG – Partizipativer Index für Gewaltschutz“ an. Gemeinsam mit ‚Expert*innengruppen‘ aus Nutzer*innen, Mitarbeiter*innen und Angehörigen entstand verständliches Praxismaterial: eine Art Instrumentenkoffer mit Definitionen, Methoden, Reflexionsfragen und Anregungen. Dieser Instrumentenkoffer soll zur Reflexion vorhandener Strukturen, Praktiken und Kulturen beitragen.
„Dabei fokussieren sich die PInG-Materialen auf besonders relevante Themen im Kontext Gewaltschutz und die gemeinsame Bearbeitbarkeit. Es gibt zum Beispiel auch eine Bastelvorlage für einen Würfel, mit dem man sich gegenseitig Fragen zu den eigenen Regeln stellen kann“, so Anne Wohlfahrt.
Bei dem Projekt lag ein wichtiger Fokus auf der Zielgruppe der ‚erwachsenen Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und herausforderndem Verhalten‘. Diese Personengruppe wurde 2021 im Bericht „Herausforderndes Verhalten und Gewaltschutz in Einrichtungen der Behindertenhilfe“ benannt. Eine Expertenkommission beauftragt durch das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales NRW verfasste diesen Bericht.
„Ich bin gespannt, welche Gedanken und Gespräche unser Workshop-Thema bei den Teilnehmenden anstößt. Als neues Mitglied des Netzwerks direkt mit einem eigenen Workshop beim Fachtag dabei zu sein freut mich sehr. Das bietet eine tolle Gelegenheit für neue Impulse“, sagt Maher Seger.
Sie möchten an dem Fachtag teilnehmen? Hier geht es zur Anmeldung zum Fachtag des Netzwerks Gewaltprävention Münster am 19.11.2026.
*Das Projekt „P!nG – Partizipativer Index für Gewaltschutz“ ist eine Kooperationspartnerschaft der LAG Selbsthilfe NRW e. V. (Antragsstellerin) mit dem Bochumer Zentrum für Disability Studies (BODYS) und dem Trägerverein der Beratungs- und Begegnungsstätte für Menschen mit Behinderungen „Café 3B“ mit Sitz in Bielefeld. Das Projekt läuft seit April 2025 und endet Ende September 2026. Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf: PInG – Partizipativer Index für Gewaltschutz | LAG Selbsthilfe NRW
Kontakte:
Maher Seger, Referent für strukturelle Beratung beim KSL.Münster, E-Mail: maher.seger@ksl-muenster.de
Anne Wohlfahrt, Mitarbeiterin beim KSL.Detmold, E-Mail: a.wohlfahrt@ksl-owl.de
Text: Lisa Vössing