Kürzlich führte die Lesung „Eigensinn …“ in der Stadtbücherei Münster durch ein breites emotionales Spektrum: von Schwermut und Trauer bis zu humorvollen Momenten und selbstironischen Zwischentönen. Und einer klaren Botschaft: Offenheit Füreinander.
Fünf Personen trugen im Rahmen des Formats ihre Lieblingstexte vor. Gedichte über Melancholie, Zerrissenheit und Hoffnung, vorgetragen von Karsten Kirschke. Autobiografisch geprägte Texte, wie der Text „Blindenbiathlon“ von Simone Kuhlmann, in dem persönliche Erfahrungen mit Humor und Selbstironie verbunden werden – vorgetragen von Nicole Schroll. Sowie Kurzgeschichten zum Thema Übergänge aus dem Buch „Luft zum Leben“ von Helga Schubert gelesen von Andrea Kreuzeck.
Felix Adrian Schäper und Julius Südhoff bereicherten den Abend mit ihren eigenen Texten. So beschreibt Südhoffs Gedicht „Erwachen“, wie ein Mensch nach einer schweren, gefühllosen Zeit eine Art Wiedergeburt erlebt. „Seit 2022 arbeite ich als Autor. Ich nehme an der Veranstaltung teil, weil ich das Leben als Mensch mit einer chronischen Erkrankung sichtbarer machen möchte“, so Südhoffs Motivation. Daneben teilte Schäper in seinem Text mit dem Titel „Eigensinn rettet dein Leben“ seine sehr persönlichen Gedanken zur eigenen Transgeschlechtlichkeit.
Unter dem Motto „Übergänge“ stand die diesjährige Lesung „Eigensinn“ sinnbildlich für eine vielfältige, offene und tolerante Gesellschaft. Das zeigte sich auch in den Gesprächen zwischen den Lesenden und Zuhörenden. Es entstand ein Raum für einen tiefgehenden Austausch – geprägt von Erkenntnis und Selbstreflektion. „Die Veranstaltung hat gezeigt, wie unverzichtbar Räume der Begegnung heute sind. Wenn wir einander zuhören und unterschiedliche Sichtweisen verstehen lernen, stärken wir das gesellschaftliche Fundament. Dieses Format ist deshalb weit mehr als eine Lesung – es ist ein aktiver Beitrag zum Schutz unserer Demokratie“, so Oliver Schneider, Referent für strukturelle Beratung beim KSL.Münster.
Die Lesung ist eine gemeinsame Veranstaltung der EUTB „Lebens(t)raum“ in Münster, des Sozialamtes der Stadt Münster, der Stadtbücherei Münster und des KSL.Münster.
Foto: Von links die Lesenden Karsten Kirschke, Nicole Schroll, Felix Schäper, Andrea Kreuzeck und Julius Südhoff
Text: Lisa Vössing